Wir besuchten die Ausstellung „Die Verzauberten Landschaften“ von Claude Lorrain im Städel Museum Frankfurt

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Es war nicht  mehr viel zu sehen von Baustellen und Umbau des Städel Museum in Frankfurt. Schnell machten wir uns in das warme Haus und gingen mit  gezielten Schritten durch die Hallen der Kunst der Moderne zu Claude Lorrains  (um 1600-1682) verzauberten Landschaften. 

Die Ausstellung, die im Obergeschoss des Ausstellungshauses zu sehen ist, folgt einer chronologischen Sicht auf das Werk Claude Lorrains. Im ersten Saal wird das Frühwerk des Künstlers präsentiert. In seinen frühen Gemälden finden sich hauptsächlich arkadische Hirtenszenen und Hafenansichten dargestellt. Das großformatige frühe Gemäldepaar „Küstenansichten“ und Urteil des Paris“ von 1633 wird um Naturstudien aus frühen Skizzenbüchern sowie Radierungen der 1630er-Jahre ergänzt. Ein weiteres frühes Gemälde ist die 1636 für Papst Urban VIII. gemalte „Landschaft mit ländlichem Tanz“. Dieses Werk wird von zugehörigen Zeichnungen begleitet, die einen ersten Eindruck vom Verhältnis zwischen Malerei, Zeichnung und Druckgrafik Lorrains vermitteln.

In seiner Malerei verarbeitete Claude Lorrain Zeichenstudien, die auf zahlreichen Wanderungen durch die ländliche Umgebung Roms entstanden, in präzise entwickelten Kompositionen zu zeitlos klassischen Landschaften. Bereits zu Lebzeiten wurde Claude Lorrain besonders in Italien und Frankreich geschätzt. Im 18. Jahrhundert fand seine Kunst dann vor allem in England größte Bewunderung. Englische Reisende  erwarben viele seiner Gemälde. Auch der Hauptteil seiner Zeichnungen und etliche Radierungen befinden sich heute in englischen Sammlungen.  

Im Folgenden bilden die Zeichnungen und Druckgrafiken, die ebenso wie die Gemälde „Ein Seehafen“ von 1644 und die große „Landschaft mit der Anbetung des Goldenen Kalbes“ von 1653 aus der mittleren Schaffensphase Lorrains stammen, einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung. Die herausragenden Arbeiten auf Papier zeigen eine weitgehend unbekannte Seite des Künstlers. Claude Lorrain zeichnete nicht nur, um seine Gemälde vorzubereiten, sondern auch um des Zeichnens selbst willen und offenbarte dabei eine Vielseitigkeit, die für das 17. Jahrhundert ganz ungewöhnlich ist. Natur-und Kompositionsstudien stehen neben Zeichnungen, die vollendete Gemälde dokumentieren; Studienblätter, die eigentlich ihre Funktion erfüllt haben, werden im Nachhinein, ausschließlich zum Vergnügen des Künstlers, nach- und umgearbeitet. Ab Mitte der 1630er- Jahre fertigte Lorrain in einem speziellen Album, seinem „Liber Veritatis“, Zeichnungen nach seinem eigenen Gemälde an; anfangs, um zu verhindern, dass Werke anderer Künstler als die seinen verkauft wurden, dann mehr und mehr als zeichnerische Reflektion.  

Auf den Spuren von Claude Lorrain - "Die verzauberten Mädels danach"
 
Städel Museum in Frankfurt am 04.02.2012

Claude Lorrains Arbeitsweise entsprach nicht dem, was die Akademien seiner Zeit lehrten. Auf der Basis einer gründlichen Kenntnis der Natur setzte er seine Kompositionen aus „Bausteinen“ zusammen, die sich in immer neuen Varianten wiederholen und die er vielfach seinem Zeichenvorrat, den er sorgsam hütete, entnahm. Lorrain verfolgte eine fast abstrakte Kompositionsweise von „Thema und Variation“, die zu einer immer stärkeren Intensivierung führte. Eine Besonderheit seines Schaffens ist das Komponieren mit Pendants: In den 1630er-Jahren entwickelte Lorrain ein eigenes künstlerisches Gestaltungsmittel von – sowol gemalten als auch radierten – Bildpaaren, die gewisse kompositorische Entsprechungen oder Gegensätze aufweisen. Oft werden eine arkadische Landschaft und eine Meeresansicht, eine morgendliche und eine abendliche Szene miteinander kombiniert. Dieses Konzept von Pendants, das Lorrain zeit seines Lebens vertiefte, verstärkt die außerordentlich qualitätsvolle Kompositionsweise durch eine poetisch-vielschichtige wechselseitige Reflexion und wird in der Ausstellung im Städel anhand von zahlreichen Beispielen – „Küstenansicht“ (1633) und „Urteil des paris“ (1633), „Landschaft mit der Taufe des Kämmerers“ (1678) sowie „Landschaft mit Ascanius“ (1682) und „Ansicht von Karthago mit Dido und Aeneas“ (1675/76) – eindrucksvoll verdeutlicht.   

Nach fast zwei Stunden Bilderrausch schlenderten wir noch um die Ecke ins Cafe und verarbeiteten unsere Eindrücke bei Käsehimbeere und Schinkentoast Hawaii.

Bis morgen, Eure Bianca       

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